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Wie viele Profile denn noch?


Facebook, abgemacht. Bin dabei. Ein Profil bei Xing: Geschäftlich kann sich der Wissensarbeiter Abstinenz hier nicht leisten. Profil bei unserer geschäftsinternen Social-Web-Anwendung: nachvollziehbare Pflicht. GoogleBuzz, darüber lassen sich “Freundeskreise” bilden, eine gute Sache. Ein GoogleProfil will allerdings gepflegt sein. Diaspora verspricht, Facebook-Alternative zu werden. Hier ist der aufgeklärte Internetter dabei. Auf gehts, Profil erstellen, bei Diaspora immerhin keine Hexerei. Linkedlin, von Freunden im Ausland gewünscht. Mensch, profiliere dich. Wuala-Profil: Wieso sollte es mich nach diesem eleganten Datentransfer-Tool nicht gelüsten? Und jetzt noch ein Föteli (für Europa: ein kleines Foto) für das Gravatar-Profil optimieren. Soeben erfahre ich, dass Freunde herausgefunden haben, wie ein “eigenes Social Network” installiert werden kann, ganz einfach funktioniere das. “Und es sieht ein bisschen aus wie Facebook. Bist du dabei? Erstell doch einfach dein Profil bei uns.” Wieviele Profile denn noch?

Wer erfindet den Profilschleudergenerator?

Alltag nicht um Inbox herum organisieren

Zunehmend besteht die Gefahr, dass sich Organisationseinheiten um den Mail-Posteingang herum gruppieren. Demgegenüber verdichten sich Bestrebungen, nicht alles Mitteilungswürdige und/oder Mitteilungsfähige über Mail-Schleudern zu verteilen. Social-Networking-Anwendungen bieten die Möglichkeit zur Differenzierung.

Der IBM-Blogger Luis Suarez thematisiert dies regelmässig in seinen Beiträgen. Stichworte: News via Blogs kommunizieren, gemeinsame Arbeit an Dokumenten via Wikis, Verfügbarkeitsanfragen mittels Planungstools, Link-Sharing statt Mail-Hinweise, Foren statt Mail-Schlangen bei Debatten usw. Und weil wir schon beim IBM-Blogger Suarez sind: Für Unternehmen bietet Lotus Connections von IBM ein Gesamtset solcher Services an (Profile, Aktivitäten, Blogs, Wiki, Filesharing, Foren usw.).

Obwohl diese Idee der Verlagerung von Mail-Funktionen in soziale Netzwerke auf den ersten Blick banal erscheint, führt in Organisationen nicht selten ein steiniger Weg von einer Mail-Kultur zu einer Social-Web-Strategie.

E-Mail, die unmögliche Anwendung

Google rüstet Gmail mit einem zusätzlichen “intelligenten” Filtersystem auf, mit Smart Labels. Positiv: Es ist offensichtlich, dass Google die dramatischen Probleme der “unmöglichen Anwendung” – eMail – verstanden hat. Organisationen mit ausgeprägter E-Mail-Kultur sind ständig in Gefahr, einer Alltagsstrukturierung zu unterliegen, die vom Wesentlichen ablenkt. Meines Erachtens geht die Gmail-Entwicklung in die richtige Richtung, wenn auch SmartLabels erst ein Anfang sein kann… Ich warte. Auf mehr und vor allem auf noch “intelligentere” Filter. Siehe auch: DER STANDARD: http://goo.gl/uiRG4

Blog-Hobbyisten ziehen sich zurück

Während das Microblogging (z.B. via Buzz, Facebook oder Twitter) an Bedeutung gewinnt, verlieren die Blog- Hobbyisten offenbar die Freude am “klassischen” Bloggen. Ein Generationenwechsel findet statt, dies zeigt z.B. eine Studie der Blog-Suchmaschine Technorati. Die skizzierte Entwicklung ist seit langen Monaten im Gang, erstaunlich ist höchstens die Geschwindigkeit, mit der sie sich vollzieht.

Das hat Google nicht nötig

Kommentar

Google hat offenbar in 33 Ländern Fragmente aus dem Datenverkehr ungesicherter WLANs gespeichert – und dies bei Fototouren für Street View. Es handelt sich, gemäss Google, um Aufzeichnungen in 5-Sekunden-Sequenzen, um einen Fehler. Datenschützer sind zurzeit daran, offene Fragen zu klären. Soweit die Vorgeschichte.

Wer glaubt, Goolge habe es nötig, während Monaten durch die Strassen der Städte zu fahren und 5-Sekunden-Schnipsel zu sammeln, hat den Kern der Frage schlicht und einfach nicht verstanden. Google hätte ganz andere Möglichkeiten, auf Daten zuzugreifen, die bedeutend effektiver und effizienter wären. Um es klar zu sagen: Hier wird in der Möglichkeitsform gesprochen, um die (unvermeidliche) mediale Aufgeregtheit nicht leichtsinnig zu bedienen. Denn Google hat gute Gründe und existenzielle Interessen, Daten nicht missbräuchlich zu verwenden. Gerade weil alle Augen auf Google gerichtet sind, kann man sich hier sicherer fühlen als bei anderen Anbietern.

Google ist das euphorische Unternehmen schlechthin. In Hochzeiten der Euphorie ist die Gefahr gross, solche Fehler zu machen. Der Hauptfehler aber liegt meines Erachtens in der defensiven Informationspolitik von Google.

Nebelbomben über Twitterland

Kommentar von Reto Eugster

Mediengezwitscher nach dem Mediengetwitter. Im Rahmen des Zertifikatslehrgangs Medienpädagogik wurde Stefan M. Seydel (/SMS bzw. sms2sms) eingeladen, an einem Mediengetwitter teilzunehmen. Bereits die Ankündigung seines Auftritts führte zu Diskussionen, war doch zuvor ein Artikel in der Wochenzeitung WOZ erschienen, der sich kritisch mit Seydels rebell.tv auseinandersetzte. Dadaismus, politische Chaostheorie, Selbstdarstellung, Medienwelt 2.0? Als was wohl könnte bezeichnet werden, was einem hier begegnet? An dieser einen Frage verdampft die Diskussion um rebell.tv seit Jahren. Dass die “Rebellen” aus dem “Kanton Säntis” diese Frage aufwendig und vor allem systematisch unbeantwortet lassen, vermag keine politische Aussage zu begründen, ist unergiebig im Hinblick auf künstlerische Inspiration und öffnet keinen Blick in eine neue Medienwelt. In der “Welt 1.0″ gibt es die Idee der Argumentation und den Anspruch, auf Kritik mit mehr zu reagieren als mit Nebelbomben. Der politische Diskurs ist auf die Bereitschaft zur Argumentation angewiesen und die Form des Diskurses ist Voraussetzung für die Demokratisierung von Gemeinwesen.

Und dann noch dies: Dass die Wochenzeitung den Soziologen Niklas Luhmann als linken Theoretiker bezeichnet, ist mindestens verwegen. (Habe ich das richtig gelesen?)

Lehrer fühlen sich bedroht

Das Internet ist das Medium der Wahl für Schüler, welche die Lehrer öffentlich und anonym anzuschwärzen wollen. In Deutschland seien bereits 50000 Lehrer Opfer geworden, weiss die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft GEW zu berichten. Oft würden Schulen und Lehrer bei Bedrohungssituationen schweigen. Zu gross seien Angst und emotionale Belastsung. Negative Schlagzeilen sollen – oft um jeden Preis – vermieden werden. Glaubt man den Angaben der Gewerkschaft, so fällt auf, dass es sich bei den Tätern vor allem um männliche Jugendliche handelt.

Inwiefern bestehende strafrechtliche Mittel ausreichend sind, wird zurzeit in Fachkreisen diskutiert. Entscheidender ist vermutlich die Frage, ob pädagogische Settings entwickelt werden können, welche Kindern und Jugendlichen kontruktivere Möglichkeiten bieten, ihre Feedbacks in das Schulgeschehen einzubringen. In die Diskussion eingebracht sind zudem Vorschläge, wie gemeinsam mit Schülern ein klassenbezogener Verhaltenskodex ausgearbeitet werden kann, der neue Verbindlichkeiten im Umgang miteinander schafft.

Diffamierung via Internet

Im Internet ist der “gute Ruf” rasch verspielt. Diffamierende Artikel erzeugen via Suchmaschinen rasch einen Breiteneffekt. Dies ist vor allem deshalb oft fatal, weil das Internet ein “gutes Gedächtnis” hat. In Zwischenspeichern von Suchmaschinen lagern Artikel lange und sind auch dann noch auffindbar, wenn sie Schnee von gestern sind. Hinzu kommt, dass Artikel, die skandalisiert sind, rasch an verschiedenen Orten des Netzes auftauchen. Im Artikel “Virtuelle Diffamierung, realer Schaden”, erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung (22.7.2007), gehen Manfred Weise und Reto Eugster, Autor dieses Weblogs, auf die Problematik ein. Sie skizzieren eine erfolgversprechende Gegenmassnahme:

“Oft ist daher ein … Mittel erfolgversprechender: eine eigene Website aufschalten oder einen eigenen Blog führen. Wenn man dies geschickt macht, gelangt man mit selbstverantworteten Webseiten ganz oben auf die Trefferlisten der Suchmaschinen. Und das kann einem schon die gröbsten Peinlichkeiten ersparen, weil kaum ein Surfer sich für mehr als die ersten vier bis fünf Links zu einer Person interessiert.”

Heisst dies im Klartext: Bloggen, um sich eine eigene virtuelle Identität aufzubauen, zu pflegen und weiter zu entwickeln?

“Powerpoint-Referate” bringen es (oft) nicht

Kolumnische Bemerkung: Wenn ich etwas ausgesprochen nicht mag, dann sind es Powerpoint-Referate. Habe ich “Referate” gesagt? Es handelt sich doch wohl eher um Stich- und Schlagwort-Sammlungen. (Es soll nun niemand argumentieren, es gebe gute und schlecht gemachte Powerpoint-Referate. Das ist zwar nicht ganz falsch, hebt aber das Problem nicht auf.) Nun ist bei Spiegel-Online und im Wiener STANDARD zu lesen, weshalb mein Missmut begründet ist: “Menschliches Hirn fängt mit Powerpoint wenig an”. Weiter beim STANDARD