Ende der Mail-Paradigmen

Die Internet-Entwicklung wird von “Mail-Paradigmen” mehr und mehr entkoppelt, dies zeigen aktuelle Studien. Junge favorisieren die Social-Media-Kommunikation. Kontakte via Mail verlieren an Bedeutung (Aussage bezieht sich auf Deutschland). @HolgerSchmidt im FAZBlog, http://bit.ly/sGfyM7.

Mittelfristig dürfte sich dieser Trend auf andere Altersgruppen und Nutzungstypen ausdehnen. Mail-getriebene Organisationen sind dabei, an ihre “kommunikativen Grenzen” zu stossen.

Und wieder verpasst die Schule ihre Chance?

Eine Polemik

Die Bereitschaft der profilierten Meinungsäusserung im Internet, das Bedürfnis, Information, Fotos, Videos usw. im Web zu teilen, die Hoffnung auf die Viralität “Sozialer Medien”, das Vertrauen, sich in Communities authentisch einzubringen: Wie kommt all dies zustande?

Ohne diese Wie-Frage zu beantworten, wird nicht verstehbar, weshalb User bereit sind, sich im Web zu exponieren. Und sie sind in beachtlichem Ausmass bereit, dies zu tun. Das zeigen die puren Fakten.

Erklärungen, welche dieses Phänomen verstehbar machen, sind mittlerweile in wissenschaftlich fortgeschrittenem Stadium. Zum Beispiel: Die Entwicklung des Selbstkonzeptes ist in hohem Masse auf die Erprobung der Vorstellungen über sich selbst angewiesen. Diese Erprobung findet in sozialen Zusammenhängen statt, im permanenten Vergleich mit der sozialen Umwelt. Ueberlegungen, die nicht neu sind, sondern auf Festingers Social Comparison Theory zurück gehen. Entstanden sind sie in den frühen Fünfziger Jahren.

“Soziale Medien” bieten ein bemerkenswert günstiges Umfeld für diese Erprobung. Denn in gewisser Weise bieten sie einen risikoarmen Raum. Zwar mag das rechtliche Prozessrisiko gesteigert sein (“Gefahren”) usw. Die soziale Riskanz jedoch ist geringer. Einzelne Aspekte des Selbstkonzeptes lassen sich spielerisch “ausprobieren”, das “Identitätsmanagement” lässt gerade in der sequenziellen Unverbindlichkeit des Netzes Spielraum für Selbstexperimente. Dadurch wird es möglich, sich selbst anders zu erfahren und die Grenzen der Selbstkontinuierung dehnbar zu halten.

Das permanente Ausrufen potenzieller Gefahren ist ungeeignet, “richtiges” Verhalten zu erreichen. Die Wucht des Social-Media-Trends ist zu gewaltig und zu nachhaltig, die Entwicklung zu weit fortgeschritten. Zahlreiche Sicherheitswarnungen waren schon gestern billig und sind heute nur noch ermattend. Obwohl sich die Unterscheidung Privatheit/Oeffentlichkeit lange Zeit zu bewähren schien, ist nun eine “dritte Zone” mitzudenken, die “öffentliche Privatheit”. Jugendliche lernen, übrigens eher im Web als in der Schule, sich an und in dieser “öffentlichen Privatheit” zu bewähren. Und sie erwerben Kompetenzen, auf welche Schulen höchstens schulische, jedoch keine pädagogischen Antworten finden. Der repetierte Ruf nach Prävention wirkt – angesichts der Blindheit gegenüber dem Phänomen der “neuen Exponiertheit” – wie ungehörte Marktschreierei zu Zeiten des Ausverkaufs.

Lifestream erzeugen

Einen Lifestream zu erzeugen, also Facebook-, Twitter-, Googleplus-Beiträge usw. in ein Blog einzubinden, kann angesichts der Verzettelung im Web sinnvoll sein. Dazu gibt es einige Ressourcen, auf die ich hier verweisen möchte. Vielleicht unterstützt dies den einen oder anderen Kollegen bei seinen Aufgaben.

Plugins: Ein leistungsstarkes Plugin ist lifestream (https://github.com/dcramer/wp-lifestream und http://www.enthropia.com/labs/wp-lifestream/). Ein zweites nützliches Tool nennt sich “WP-RSS Import” und ist hier zu bekommen: http://bueltge.de/wp-rss-import-plugin/55/.

Ein Googleplus-Feed lässt sich über diesen Link – http://plus-one-feed-generator.appspot.com/ – erzeugen. Twitter bedient RSS offiziell nicht mehr, jedoch lässt sich ein RSS-Feed nach wie vor erzeugen/einbinden, siehe http://twitter.com/statuses/user_timeline/accountname.rss.

Und noch zu Facebook: http://www.facebook.com/feeds/page.php?id=[Facebook-ID] ist nur noch nutzbar, wenn z.B. &format=rss20 beigefügt wird. Die eigene ID ermittelt man via http://graph.facebook.com/vorname.name.

Alles ohne Gewähr und entsprechend mit Vorsicht zu geniessen, zusammengetragen von einem Non-Profi. :-)

Update: Danke für die Tipps, die ich hier weiter gebe.
- Feed-Validator: http://goo.gl/Hj596
- Slideshare-RSS = “http://www.slideshare.net/rss/user/(username)”
- Network Publishing, Plugin, http://www.linksalpha.com/

Nichts verstanden

Die Rundschau des Schweizer Fernsehens widmet sich Facebook bzw. der Selbstdarstellung von Jugendlichen bei Facebook, ohne verstehen zu wollen (oder zu können?). Dass die Jugendlichen sich dabei fragwürdig im TV exponieren (müssen): kein Thema. Oder wurde dieser TV-Auftritt mit ihnen pädagogisch reflektiert? ;-)

Billiger Kulturpessimismus pädagogisch paraphrasiert, basierend auf altbewährten Klischees. Sensibilität für Fragen der Identitätsentwicklung, die in diesem Zusammenhang wichtig wäre, fehlt. Pädagogisch abgewogene Sätze mit diesem unverkennbaren Unterton werden durch die Sendeminuten geschoben: Alles mündet in die einzige Frage, welche eine solche Pädagogik imstande ist, zu stellen: “Darf man das?” (Schweizerdeutsch: “Tar ma da?”)

Fazit: “Die Ueberfülle der Antworten macht das Fragen überflüssig”, wie Christoph Schmitz-Scholemann u.a. in einem anderen Zusammenhang schreibt. Treffender ist nicht zusammenzufassen, was einem hier zugemutet wird.

Zürich sammelt

Jugendbeteiligung via Facebook

Die Stadtzürcher Politik ist offensichtlich unter Druck geraten.

“Die illegale Party vom 10. September 2011 am Bellevue und die Ausschreitungen in der Folgewoche beim Central haben für grosse Aufmerksamkeit gesorgt”,

schreiben die Verantwortlichen in der Medienmitteilung. Dies ist der Hintergrund für die aktuelle Initiative, via Facebook ein “Beteiligungsprojekt” zu lancieren. Bis am 26. Oktober können Anliegen eingebracht werden.

Solche Projektideen klingen auf den ersten Blick gut usw. Die entscheidende Frage allerdings ist weniger, wie Anliegen an die Stadt gelangen, sondern wie die Stadt mit dem Horizont an Wünschen und Anliegen umgeht, den sie öffnet. Wer sich einbringt, wer mitdenkt und sich engagiert, will Konkretes, Entscheidendes, Absehbares bewirken können.

Steiniger Weg zur Social-Media-Nutzung

Social-Media-Nutzung in Organisationen (z.B. des Bildungs- und Sozialwesens): Nur schon das Befolgen von zwei scheinbar einfachen “Goldregeln” würde Missverständnisse bei der Einführung vermeiden helfen. Diese Erkenntnis geht auf meine ebenso aktuellen wie erlittenen Erfahrungen zurück. Die beiden “Goldregeln” könnten lauten:

Goldregel 1: “Wer nichts zu sagen hat, sollte es auch nicht via Social Media sagen.”

Goldregel 2: “Vor jeder Diskussion um Social Media im Unternehmen muss die Bereitschaft zum Dialog gegeben sein.”

Das Handy der Zukunft “lebt”

Pressetext: Auch ein Handy kann einem ans Herz wachsen. Es ist ein treuer Begleiter und hilft oft aus schwierigen Situationen heraus. Und hat sich der Nutzer erst einmal daran gewöhnt, wird aus dem seelenlosen Stück Technik ein wahrer Freund. „Wäre es dann nicht schön, wenn das Handy etwas ‚Lebendiges’ wäre?“ fragte der Gewinner des Ideenwettbewerbs initiiert von emporia. Dieser Ansatz überzeugte die Jury, bestehend aus Vertretern von emporia Telecom, Swisscom, Pro Senectute, der FHS St.Gallen sowie der Migros.

Vollständiger Pressetext zum Ideenwettbewerb… (PDF)

Fünfte Generationentagung ist Geschichte

In Weinfelden fand heute die fünfte Generationentagung der FHS St.Gallen statt. Regie führte der Leiter des Kompetenzzentrums Generationen, Ulrich Otto. Er leitete in die Tagung ein und stellte die Workshop-Themen fundiert vor. Rund 100 Interessierte waren gekommen. Pointierter Titel der Veranstaltung: “Heimat, Quartier, vier Wände – ein Leben lang”.

Ulrich Otto machte deutlich, wie schwierig es ist, den Begriff des “Quartiers” zu fassen. Es skizzierte real existierende Experimente, welche erfolgreich Nachbarschaft stiften und soziale Netzwerke fördern. Es gehe nicht um eine Versorgungs-, sondern um eine Mitwirkungsgesellschaft. Angesichts demografischer Entwicklungen sei weniger eine Alters-, als vielmehr eine Generationenpolitik gefragt.


Beda Meienberger, Innovationszentrum St.Gallen, FHS St.Gallen

In fünf Workshops wurden Themen aufgearbeitet. Um Soziotechnik ging es ebenso wie um “offene Arbeit mit Kindern” (siehe auch Fotos von Referentin und Referenten). Durchgängig jedoch stand die Perspektive sozialer Netzwerke im Vordergrund.


Dani Fels, Kompetenzzentrum Soziale Räume, FHS St.Gallen


Eva Lingg, Kompetenzzentrum Soziale Räume, FHS St.Gallen


Martin Müller, Leiter Consulting, Institut für Soziale Arbeit, FHS St.Gallen

Twitterer und das Unausgesprochene

Twitter ist gerade im Zusammenhang mit den revolutionären Bewegungen, welche aktuell Geschichte schreiben, nochmals populärer geworden. Rund 200 Millionen Twitter-Accounts gibt es zurzeit. Das Potenzial der gezielten Verbreitung von Nachrichten, welches via Twitter zu entfalten ist, beeindruckt. Gerade die aktuelle Sonntagspresse berichtet davon, z.B. die NZZ am Sonntag: Nachrichten, die aus einem Grund von offiziellen Stellen unterdrückt werden, sind für die Twitterer ein gefundenes Fressen. Beispiele zeigen dies.

Zu Twitter gibt es ungezählte Anwendungen, die den User unterstützen. Persönlich bevorzuge ich die “schlanke” Tools, wie zum Beispiel http://snapbird.org für die gezielte Suche oder http://tweetake.com für lokale Backups (in Standardformaten, für eine allfällige Weiterverarbeitung).

Mehr Medienpädagogik in der Ostschweiz

In der Ostschweiz werden Themen der Medienpädagogik verstärkt angegangen. Dazu haben sich zwei bedeutende Hochschulen entschieden. Abgesehen vom Zertifikatslehrgang Medienpädagogik werden vermehrt auch Seminare angeboten.

Die FHS St.Gallen (http://fhsg.ch) bietet gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (http://phsg.ch) die Seminarreihe Medienkompetenz, Mediendidaktik sowie Medienrecht und Ethik. Die Seminare dauern zwei bis drei Tage: http://goo.gl/7iCjX

Social Web bei Jugendlichen und Kindern beliebt

Erstaunlich wie viele Kinder und Jugendliche über ein Profil bei einem Social-Web-Anbieter verfügen. Die Europäische Kommission gab eine entsprechende Europa-Studie in Auftrag. Danach verfügen bereits knapp 80 Prozent der 13- bis 16-Jährigen über ein Social-Web-Profil. Bei den 9- bis 12-Jährigen sind es noch knapp 40 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf die EU-Staaten. EU-Website: http://goo.gl/ZVAxW