Category Archives: Lehren und Lernen

Und wieder verpasst die Schule ihre Chance?

Eine Polemik

Die Bereitschaft der profilierten Meinungsäusserung im Internet, das Bedürfnis, Information, Fotos, Videos usw. im Web zu teilen, die Hoffnung auf die Viralität “Sozialer Medien”, das Vertrauen, sich in Communities authentisch einzubringen: Wie kommt all dies zustande?

Ohne diese Wie-Frage zu beantworten, wird nicht verstehbar, weshalb User bereit sind, sich im Web zu exponieren. Und sie sind in beachtlichem Ausmass bereit, dies zu tun. Das zeigen die puren Fakten.

Erklärungen, welche dieses Phänomen verstehbar machen, sind mittlerweile in wissenschaftlich fortgeschrittenem Stadium. Zum Beispiel: Die Entwicklung des Selbstkonzeptes ist in hohem Masse auf die Erprobung der Vorstellungen über sich selbst angewiesen. Diese Erprobung findet in sozialen Zusammenhängen statt, im permanenten Vergleich mit der sozialen Umwelt. Ueberlegungen, die nicht neu sind, sondern auf Festingers Social Comparison Theory zurück gehen. Entstanden sind sie in den frühen Fünfziger Jahren.

“Soziale Medien” bieten ein bemerkenswert günstiges Umfeld für diese Erprobung. Denn in gewisser Weise bieten sie einen risikoarmen Raum. Zwar mag das rechtliche Prozessrisiko gesteigert sein (“Gefahren”) usw. Die soziale Riskanz jedoch ist geringer. Einzelne Aspekte des Selbstkonzeptes lassen sich spielerisch “ausprobieren”, das “Identitätsmanagement” lässt gerade in der sequenziellen Unverbindlichkeit des Netzes Spielraum für Selbstexperimente. Dadurch wird es möglich, sich selbst anders zu erfahren und die Grenzen der Selbstkontinuierung dehnbar zu halten.

Das permanente Ausrufen potenzieller Gefahren ist ungeeignet, “richtiges” Verhalten zu erreichen. Die Wucht des Social-Media-Trends ist zu gewaltig und zu nachhaltig, die Entwicklung zu weit fortgeschritten. Zahlreiche Sicherheitswarnungen waren schon gestern billig und sind heute nur noch ermattend. Obwohl sich die Unterscheidung Privatheit/Oeffentlichkeit lange Zeit zu bewähren schien, ist nun eine “dritte Zone” mitzudenken, die “öffentliche Privatheit”. Jugendliche lernen, übrigens eher im Web als in der Schule, sich an und in dieser “öffentlichen Privatheit” zu bewähren. Und sie erwerben Kompetenzen, auf welche Schulen höchstens schulische, jedoch keine pädagogischen Antworten finden. Der repetierte Ruf nach Prävention wirkt – angesichts der Blindheit gegenüber dem Phänomen der “neuen Exponiertheit” – wie ungehörte Marktschreierei zu Zeiten des Ausverkaufs.

Jeder ist Verlag für jeden – oder doch nicht?

Online-Verlage mit Bezahldiensten haben es schwer im Internet. Immer mehr “Dokumente” werden grau, halbgrau, schwarz usw. angeboten, in unübersichtlichen Zusammenhängen oft, von Universitäten, Fachhochschulen, Beratungsfirmen – und in Dokumentenportalen. Der wachsenden Bedeutung von Dokumentenportalen widmete sich die NZZ in der letzten Sonnntagsausgabe…

Scribd.com ist ein im NZZ-Artikel genannter Dienst, den ich nutze. Das Potenzial dieser Publikationsform ist enorm, wobei eine weitere Marktbereinigung bei den Publikationsstandards der Sache gut täte…

Verbessert Concept Mapping den Lernerfolg?

Heute bin ich auf eine Studie (2007) von Jasmin Neuroth gestossen, welche Aussagen über Concept Mapping als Lernstrategie macht. Die Studie bezieht sich auf “Chemielernen”, einbezogen waren 177 Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe dreier Gymnasien (Deutschland). Erschienen ist das Buch beim Logos-Verlag in Berlin.

Zu den Ergebnissen: Ein eindeutiger Vorteil bei den “Map-Generierern” zeigt sich bei der Nachhaltigkeit des Lernerfolgs nach vier Monaten. “Damit kann man den Schluss ziehen”, so die Autorin, “dass die Map-Generierer die Lerninhalte besser behalten, da sie selbst die Zusammenhänge in Form eines Maps darstellen und somit die Bedeutungen des Textinhalts vertiefen”.

Interessant und ungeklärt ist für mich die Frage, inwieweit sich die Ergebnisse auf Mind Mapping als Lernstrategie übertragen lässt.

Wer Concept Mapping nicht kennt, kann mit dem Tool CMap erste Versuche wagen. Der Selbsttest ist angesagt. Zum Download

Siehe auch: Wissensdarstellungs-Tools

Informationsmanager für das Studium

Wenn es um Seminar-, Projekt-, Bachelor- oder Masterarbeiten usw. geht, stellt sich früher oder später die Frage, wie die “Wissensaufbereitung” erfolgen soll. Beliebt sind Informationsmanager, welche “Informationsfetzen” hierarchisieren. Typischerweise lässt sich eine Baumstruktur bilden, entlag der sich Gedanken, Zitate, Verweise, Literaturtipps usw. ordnen lassen. Als “Betreuer” solcher Arbeiten sehe ich, welche Tools Studierende nutzen. Eine Auswahl:

Keynotes NF: Lange Zeit war es Still um Keynotes, einen Klassiker unter den Informationsmanagern. Nun aber zeugt die Namenserweiterung “NF” von einer (dezenten) Weiterentwicklung. “NF” steht für New Features.

Der Zettelkasten von Daniel Luedecke lehnt sich an das Zettelkasten-Prinzip des Soziologen Luhmann an. Ein ebenso schlankes wie hilfreiches Tool, aktuell in der Version 3.1 verfügbar.

Mit Scribblepapers und Cuecards stehen weitere Infomanager zur Verfügung, welche einige Verbreitung gefunden haben. Beide Tools sind in einer Freeware-Version erhältlich, von Cuecards kann auch eine “mächtigere” kostenpflichtige Pro-Version bezogen werden.

In verschiedenen Versionen verfügbar ist Treepad, unter anderem auch als Freeware. Treepad ist weit verbreitet und kann ebenfalls den Status eines “Klassikers” für sich beanspruchen. Es bietet – je nach Version – einen satten Funktionsumfang.

Nach wievor im Beta-Status ist Tombo.

Ein Wiki-Konzpet liegt Zulupad zugrunde: ein kleines, schlankes, spassiges, brauchbares Stück Software.

Wer sich solche Informationsmanager anschaut, sollte auch bei Keep In Mind vorbei schauen. Dabei handelt es sich um die Spielart eines weit entwickelten Werkzeugs.

Und natürlich lassen sich Informationen auch mittels Mindmapping-Tools strukturieren – und zusätzlich visualisieren. Die Baumstruktur lässt sich via Haupt- und Unteräste bilden, Details können in den Notizfeldern erfasst werden. Ich kenne inzwischen einige Erfolgsgeschichten, bei denen Freemind bei der Erarbeitung einer Bachelor- oder Masterarbeit zum Einsatz kam.

Beim einen oder anderen der genannten Werkzeuge stellt sich die Frage der Weiterentwicklung. Von aussen betrachtet ist oft wenig deutlich, wie bei den Projekten die Kontinuität gesichert werden soll.

Medienpädagogische Positionen

Elternabende sind seit Jahren dem Thema gewidmet, wie Kinder und Jugendliche mit “Neuen Medien” umgehen (sollen). Die Diskussionen gründen in drei divergente medienpädagogische Positionen. Der Text zum Referat “Medienpädagogische Positionen” (Zusammenfassung) seht als PDF-Datei zum Download bereit:

- Medienpädagogische Positionen, 2008/2009, FHS St.Gallen, Reto Eugster

Vorlesungen für den iPod

Man fragt Freunde an der Hochschule und merkt: Immer noch wenig bekannt ist der U-Bereich (U = Universität) von iTunes. Dort lassen sich kostenlos Podcasts beziehen, Vorlesungen beispielsweise. Wie learnabit.com festhält, stehen 75.000 Audio- und Videodateien zur Verfügung.