Kategorie-Archiv: Studium

EU-Kommissarin setzt auf Potenzial von MOOCs

Eine aktuelle Studie, in Auftrag gegeben von der Europäischen Kommission, unterstricht das Potenzial von MOOCs, von Massive Open Online Courses. Die Studie geht von einem Zusammenhang zwischen der MOOC-Entwicklung und der Mitarbeiter-Qualifikation in der Internetwirtschaft aus, siehe Initiative MOOCs for Web Talent.

Interessant ist unter anderm, dass die Mehrheit der MOOC-Lernenden bereits über einen akademischen Abschluss verfügt und nicht primär einen weiteren Titel anstrebt. Der Zertifizierung kommt aus Sicht der MOOC-Lernenen eine nachrangige Bedeutung zu.

Neelie Kroes, Kommissarin für die Digitale Agenda, setzt auf das Potenzial von MOOCs, gerade wenn es darum geht, die Internet-Fähigkeiten von Studierenden europaweit zu verbessern. Im Wettbewerb mit anderen Weltgegenden muss dies priorisiertes Ziel sein, so die EU-Kommissarin.

13 Jahre Social Informatics

Vor 13 Jahren haben Ueli Hagger und Reto Eugster, (@vorinstanz) das Projekt Social Informatics in der Ostschweiz gestartet. Entstanden ist ein anerkanntes Masterstudium auf Fachhochschulstufe. Neu in der Leitung ist seit bald drei Jahren die Medienwissenschaftlerin Selina Ingold (@insberlin).

Quartalsweise findet ein Inspirationtag Social Informatics an der FHS St.Gallen (@wbzfhs) statt. Gestern war es wieder soweit. Diskutiert wurden die drei Paradigmen, welche die Fachrichtung Social Informatics präg(t)en, bezogen auf den deutschsprachigen Raum.

Drei Paradigmen der Social Informatics

Social Informatics als Brancheninformatik des Sozialwesens, so die erste Variante, diese Fachrichtung zu fundieren. Nach wie vor sind die Diskurse der Social Informatics (bzw. der Sozialinformatik) durch diese Deutung dominiert.

Historisch verzögert wurde Social Informatics an den Begriff der Soziotechnik gebunden. Das Ineinanderwirken von technologischen und sozialen Entwicklungen geriet in den Brennpunkt des Interesses. Nun ging es zum Beispiel um technikinduzierte gesellschaftliche Ausschlussrisiken, um “digitale Armut” sowie Fragen nach geschlechts-, bildungs-, generationen- oder kulturspezifischen Nutzungsroutinen.

Und schliesslich drittens, im Zuge des Social-Media-Booms, euphorisierte der Charme des vagen Begriffs: “Social”, das steht für vieles, das meint Community, Partizipation, Sharing, Authentizität usw. Social Informatics wurde zum Label für das Interesse an den “Segnungen” des Web 2.0. Webbasierte Social Services verändern nicht nur den Begriff der Dienstleistung, sondern verbessern im günstigsten Fall gesellschaftliche Teilnahme- und Teilhabechancen. In Frage steht dabei auch die “klassischen” Rollenkomplementarität Klientel/Professionals: “Klienten”, nun zu Community-Mitgliedern geworden, erleben eine Statusveränderung. Soviel zur dritten Option, Social Informatics zu fassen.

In unserem Masterstudium geht es darum, Social Informatics als den Fachzweig zu begreifen, der sich einerseits mit soziotechnischen Grundlagen, anderseits mit veränderten Dienstleistungsqualitäten in den Kontexten des Sozial-, Gesundheitswesens und Bildungswesens beschäftigt.

Masterstudium:
http://www.fhsg.ch/sozialinformatik

Facebook-Fachgruppe Social Informatics:
https://www.facebook.com/groups/socialinformatics/

Die Information, die sich selber erübrigt

Kommunikation zeitlich eng zu binden, entgegen dem Trend der Enttemporalisierung von Kommunikation (= “endgültige” Archivierbarkeit), ist das Anliegen hinter Tools wie SnapChat. Philippe Wampfler hat am Seminartag Lehrgang OnlineServices dieses Phänomen kurz diskutiert. In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch, vor allem im Hinblick auf professionelle Anwendungen, das Konzept Silent Circle anzuschauen. Phil Zimmermann, der “PGP-Papst” steckt hinter diesem Projekt, https://silentcircle.com.

Das Bestreben, Information “flüchtig” zu halten, ist interessant und es lohnt sich zu untersuchen, wie sich beispielsweise die SnapChat-Kommunikation Jugendlicher entwickelt/verändert. Einen Eindruck davon bekommt, wer die Kommentare von Jugendlichen zum Tool bei GooglePlay liest. Bin gespannt auf die weitere Entwicklung…

@wbzfhs

Seit rund vier Wochen nun arbeite ich im neuen St. Galler Bildungsturm, neu als Leiter des Weiterbildungszentrums FHS St.Gallen. Das neue Weiterbildungszentrum, entstanden aus den bisherigen Weiterbildungsabteilungen Wirtschaft, Technik, Gesundheit und Soziale, ist bereits bei Twitter vertreten: @wbzfhs

Natürlich sind wir nach vier Wochen am Anfang, aber doch… Der Charme des Beginnens ist unverkennbar. Nicht neu ist unsere Weiterbildungskompetenz und nicht neu sind unsere Masterstudien und Zertifikatslehrgänge. (Soviel Werbung an dieser Stelle musste sein.)

Details: http://www.fhsg.ch/weiterbildung

Seminar Social Media

Unser (Hans-Dieter Zimmermann und Reto Eugster) Seminar an der FHS St.Gallen, 11.5.2012. Links für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (und alle Webflaneure)…

Die Maps zum Seminar sind als “SM-Seminar” gekennzeichnet und unter retoeugster.ch/maps zugänglich. Dort stehen übrigens auch andere Maps zur Verfügung, und zwar aus unserem Mapping-Projekt.

 

Und wieder verpasst die Schule ihre Chance?

Eine Polemik

Die Bereitschaft der profilierten Meinungsäusserung im Internet, das Bedürfnis, Information, Fotos, Videos usw. im Web zu teilen, die Hoffnung auf die Viralität “Sozialer Medien”, das Vertrauen, sich in Communities authentisch einzubringen: Wie kommt all dies zustande?

Ohne diese Wie-Frage zu beantworten, wird nicht verstehbar, weshalb User bereit sind, sich im Web zu exponieren. Und sie sind in beachtlichem Ausmass bereit, dies zu tun. Das zeigen die puren Fakten.

Erklärungen, welche dieses Phänomen verstehbar machen, sind mittlerweile in wissenschaftlich fortgeschrittenem Stadium. Zum Beispiel: Die Entwicklung des Selbstkonzeptes ist in hohem Masse auf die Erprobung der Vorstellungen über sich selbst angewiesen. Diese Erprobung findet in sozialen Zusammenhängen statt, im permanenten Vergleich mit der sozialen Umwelt. Ueberlegungen, die nicht neu sind, sondern auf Festingers Social Comparison Theory zurück gehen. Entstanden sind sie in den frühen Fünfziger Jahren.

“Soziale Medien” bieten ein bemerkenswert günstiges Umfeld für diese Erprobung. Denn in gewisser Weise bieten sie einen risikoarmen Raum. Zwar mag das rechtliche Prozessrisiko gesteigert sein (“Gefahren”) usw. Die soziale Riskanz jedoch ist geringer. Einzelne Aspekte des Selbstkonzeptes lassen sich spielerisch “ausprobieren”, das “Identitätsmanagement” lässt gerade in der sequenziellen Unverbindlichkeit des Netzes Spielraum für Selbstexperimente. Dadurch wird es möglich, sich selbst anders zu erfahren und die Grenzen der Selbstkontinuierung dehnbar zu halten.

Das permanente Ausrufen potenzieller Gefahren ist ungeeignet, “richtiges” Verhalten zu erreichen. Die Wucht des Social-Media-Trends ist zu gewaltig und zu nachhaltig, die Entwicklung zu weit fortgeschritten. Zahlreiche Sicherheitswarnungen waren schon gestern billig und sind heute nur noch ermattend. Obwohl sich die Unterscheidung Privatheit/Oeffentlichkeit lange Zeit zu bewähren schien, ist nun eine “dritte Zone” mitzudenken, die “öffentliche Privatheit”. Jugendliche lernen, übrigens eher im Web als in der Schule, sich an und in dieser “öffentlichen Privatheit” zu bewähren. Und sie erwerben Kompetenzen, auf welche Schulen höchstens schulische, jedoch keine pädagogischen Antworten finden. Der repetierte Ruf nach Prävention wirkt – angesichts der Blindheit gegenüber dem Phänomen der “neuen Exponiertheit” – wie ungehörte Marktschreierei zu Zeiten des Ausverkaufs.

Mehr Medienpädagogik in der Ostschweiz

In der Ostschweiz werden Themen der Medienpädagogik verstärkt angegangen. Dazu haben sich zwei bedeutende Hochschulen entschieden. Abgesehen vom Zertifikatslehrgang Medienpädagogik werden vermehrt auch Seminare angeboten.

Die FHS St.Gallen (http://fhsg.ch) bietet gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (http://phsg.ch) die Seminarreihe Medienkompetenz, Mediendidaktik sowie Medienrecht und Ethik. Die Seminare dauern zwei bis drei Tage: http://goo.gl/7iCjX

Altern im Netz

Heute Referat bei Namics St. Gallen, Ueberlegungen zum Referat “Altern im Netz”:

“Die Alten” gibt es nicht: nicht das Alter, sondern das Altern ist im Brennpunkt des Interesses.

Alter ist nur ein Aspekt, der die Ausgangslage für die Internet-Nutzung prägt, weitere sind Geschlecht, Bildung, soziales Umfeld, Technikaffinität usw.

So genannte Silversurfer und jüngere Nutzer nutzen das Internet in ähnlicher Weise.

Oekonomisch relevante Steigerungsraten bei der Internet-Nutzung sind seit 2008 fast ausschliesslich bei den Silversurfern zu sehen. Aeltere sind z. B. im “Online-Shopping” stark vertreten. 2011 nutzen annähernd gleich viel Frauen wie Männer das Internet (Referenz Deutschland). Das “soziale Web” wird stärker von Frauen frequentiert. Bei den älteren Jahrgängen sind die Frauen allerdings untervertreten (Referenz Schweiz).

Die Favoriten unter den Offliner-Argumenten sind: “zu kompliziert” und “zu unsicher“.

Onliner sehen sich auf ein unterstützendes Umfeld angewiesen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Gleichaltrige (Freundeskreis) und Jugendliche aus der Familie.

Onliner nutzen u. a. favorisiert Anwendungen, welche die “soziale Riskanz” von Echtzeitkontakten minimieren. Anderseits ist die “soziale Eichung” von Web-2.0-Anwendungen nur teilweise gelungen.

Es existiert ein normativ erzeugter Druck, wonach man wollen muss: Wer nicht im Netz ist, verhält sich ausserhalb des Zuschreibungsdreiecks: aktiv, sozial und fit. Unter solchen Bedingungen ist es schwierig, Altern als Prozess der Einschränkung zu akzeptieren.

Lernbedürfnisse und Lernchancen verändern sich im Verlauf des Lebens. Aeltere lernen nicht primär schlechter, sondern anders als Jüngere (z.B. bezüglich Vorratslernen, Grad der Alltagsplausibilisierung).

Nutzungssettings von informatischen Anwendungen sind oft über Metaphern organisiert, die (zu) stark einschränkend wirken.

Deutlich weniger als ein Drittel der älteren User sind bei der Nutzung sensorisch eingeschränkt.

Aeltere User wollen oft nicht als “ältere User” wahrgenommen werden. (“Schampoo für reifere Haare”). Menschen über 70 fühlen sich im Schnitt 13 Jahre jünger. Es gibt Hinweise, dass sie sich auch “jünger” handeln.

Die Altersgruppe zwischen 65 und 70 ist mit rund 60 Prozent im Netz vertreten. Ab 80 nimmt die Nutzungswahrscheinlichkeit massiv ab. Frauen sind im Alter stärker webabstinent.

Beispiele:
http://www.platinnetz.de – http://www.feierabend.de – http://www.seniorweb.ch

Frauen und Männer nutzen das Web unterschiedlich (2005):

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,392642,00.html

Danke für die Einladung, Jürg!