MySpace sieht sich, gemäss dem Wiener STANDARD, Zensurvorwürfen ausgesetzt. Soziale Netzwerke dieser Art zu regulieren, zeigt sich einmal mehr als schwieriges Unterfangen. Was an den Vorwürfen tatsächlich dran ist, ist von aussen nicht einfach zu beurteilen.
Archiv der Kategorie: Debatte
Sicherheitslücken als Chancen für Staatsschutz?
Die Züricher Sonntagszeitung berichtet heute in ihrem Multimedia-Bund über Bestrebungen aus Kreisen des Staatsschutzes, Antivirensoftware zu manipulieren: Antiviren-Software soll gegenüber Staatstrojaner unsensibel werden bzw. Sicherheitslücken sollen systematisch für staatsschützerische Zwecke genutzt werden. Im Artikel wird auch Frank Rosengart vom Computer Chaos Club zitiert. Im Wesentlichen bestätigt er die Vermutungen, welche dem Sonntagszeitung-Artikel zu Grunde liegen. Solche Meldungen zeigen, welch politische Bedeutung offenem, frei verfügbarem, transparent entwickeltem Software-Code zukommt. Open Source ist nicht nur und nicht in erster Linie eine Kostenfrage.
Blogging-Wahn?
Das Ende des Blogging-Wahns sei gekommen, titelte die Süddeutsche Zeitung gestern. Unternehmen seien vorsichtiger geworden, wenn es um die Nutzung von Blogs gehe. Waren die meisten Unternehmungen nicht eh schon vorsichtig genug? Das kann doch nicht alles gewesen sein, das bisschen Blogging-Verein…
StudiVZ und Grundwerte
Wollte man die Anmeldezahlen als Indikator wählen, kann man bei der Studierendenplattform StudiVZ von einem eindeutigen Erfolg sprechen. 1.5 Millionen Mitglieder sollen bereits akquiriert worden sein. Imagemässig ist der Studierendenpool in letzter Zeit jedoch arg gebeutelt worden. Und nun noch dies: Ein neues Weblog hat sich das Ziel gesetzt, StudiVZ kontinuierlich – und wohl vor allem kritisch – zu beobachten. In welchem Verhältnis die Blogger zum Portal stehen, wird durch den Menupunkt “Opfer” unmissverständlich klar. Nichts weniger streben die Blogmacher an als die Sicherung demokratischer Grundwerte.
Haft für Blogger
Der ägyptische Blogger Abdel Karim Suleiman ist zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er soll den Islam und Präsident Mubarak beleidigt haben. Dies berichtet aktuell futurezone.at…
Wikipedia: Werbefinanzierung oder Werbefreiheit?
Wikipedia, das Vorzeige-Projekt der “Open-Community”, ist wieder einmal in den Brennpunkt des Interesses gelangt, vor allem in der amerikanischen Blogszene. Die Frage, ob Wikipedia zu einem werbefinanzierten Modell wechseln soll, wird heftig diskutiert. Offenbar macht es Mühe, die rund 100’000 Dollar Spendengelder aufzutreiben, welche die Sicherstellung der Bandbreite monatlich kostet. Während Wales, Urvater von Wikipedia und Vertreter der “Schwarmintelligenz“, eine Werbefinanzierung kategorisch ablehnt, hält Jason Calacanis, Gründer von Weblogs Inc., dagegen. Die Weiterentwicklung sei durch die derzeitige ideologische Einengung gefährdet. Klar ist, dass das Potenzial für Werbeeinnahmen bei Wikipedia enorm ist. Mit wenig Aufwand könnten grössere Beträge eingespielt werden – und die Weiterentwicklung von Wikipedia wäre forcierbar.
Mehr Frauen, mehr sozialer Nahraum?
Eine oft zitierte Studie von Cilja Harders und Franka Hesse an der Ruhr-Universität Bochum zeigt auf, dass Frauen hierzulande in der Blogszene als Autorinnen mit rund 67 Prozent stark vertreten sind. Untervertreten sind sie – in krassem Gegensatz zu ihrer Gesamtpräsenz – nach wie vor in den verschiedenen “Blog-Hitparaden”. Offen – und wenig erforscht – ist die Frage, welche Wirkung der hohe Frauenanteil in der Blogszene auf die medialen Aufmerksamkeitsökonomien insgesamt hat – oder auf die Verschiebung der Grenze zwischen Privatem und Oeffentlichem. Die beiden Wissenschaftlerinnen verweisen auf die empirisch gesicherte Erkenntnis, dass geschlechtsspezifische Ausschlussrisiken weitgehend entlang der Trennung von öffentlichem und privatem Raum verlaufen. Interessant nun ist, dass die aktuelle Studie zeigt, wie weibliche Bloggerinen mit ihren Aktivitäten stärker als ihre männlichen Kollegen den sozialen Nahraum anvisieren. Allgemein-politische Themen hingegen werden in “männlichen” Blogs stärker favorisiert. Versuch einer Schlussfolgerung: Es entstehen im Kontext sich neu herausbildender Oeffentlichkeiten verbesserte Teilnahme- und Teilhabechancen für Frauen. Deutlich ist jedoch auch, wie stark sich bekannte Entwicklungen in den “neuen Welten” fortsetzen. “Der hohe Frauenanteil bei den Blogs bedeutet … keine gleiche Teilhabe an politischen Diskussionen”, schrieben die beiden Wissenschaftlerinnen im Vorfeld der Studie. Das ist ein Kernsatz.
Quelle: Femina Politica; Harders, Cilja; Franka, Hesse (2006): Partizipation und Geschlecht in der deutschen Blogsphäre – Weblogs: Ein neues Medienformat im Netz, In: femina politica – Zeitschrift für feministische Politik-Wissenschaft, 2/2006, Seite 90 – 101
Wenn das Web 2.0 nervt
“Mich nervt das Getue ums Web 2.0 … Mich nervt das Frohlocken über den «Citizen Journalism», dem jeder Voyeur mit einem Fotohandy als potentieller Reporter gilt.” Daniel Weber, Chefredaktor von NZZ Folio, nervt sich im Medienspiegel…
Moderne Piraterie
Im aktuellen CT gibt es einen Artikel für Krimi-Liebhaber. Zuspitzend die Einleitung:
“Mit Sicherheitslücken lässt sich viel Geld verdienen. Das wissen nicht nur die Hersteller von Schutzprogrammen, sondern auch die Programmierer von Viren, Würmern und Trojanern. Die haben mittlerweile eine regelrechte Industrie aufgebaut, die von Datenspionage, Spam-Versand und Auftragsmorden an Webservern lebt. Und Ihr PC dient womöglich schon als Werkzeug.”
Der Text selbst führt differenziert in eine Problematik ein, die angesichts der Breitbandverbreitung tatsächlich an Bedeutung gewinnen wird. Lesenswert!
Vom Netz-Ich zum Ich-Netz
Die Süddeutsche widmet sich im Bund SZ Wissen dem Web 2.0. Interviewt wird Andreas Weigend. (Bei Maischberer im Februar 2006.) Der Web-Aktiviat, der das Web als “grösstes Verhaltenslabor” sieht, im Gespräch mit Philipp Wolff:
“Den einen Web-Autor fasziniert, dass er potenziell Hunderte Millionen von Lesern erreicht, den anderen der Gedanke, dass ein ganz bestimmter Mensch ihn online entdeckt.”
“Aus den vielen Netz-Ichs entsteht ein Ich-Netz, in dem wir verschiedene Dimensionen unserer Persönlichkeit auf neue Art und Weise ausleben können.”
Blogjahr 2006
Unser höchst subjektiver Rückblick auf das Blogjahr 2006
In diesem Jahr kamen einige spannende Podcast-Blogprojekte ins Rollen, von einem berichteten wir vor kurzem, und zwar von Wanhoffs wunderbarer Welt. Zu nennen ist auch das Podcast im Bildungskontext. Im Gegensatz dazu konnten Videoblogs – bezogen auf den deutschsprachigen Raum – nur punktuell überzeugen. Wem es Video-Schnipsel angetan haben, der schaut sich direkt bei YouTube um – oder bei ähnlichen Angeboten.
In der Fachblogszene hat es unseres Erachtens eine Bewegung in Richtung “Professionalisierung” gegeben. Es scheinen sich Blogs durchzusetzen, die mit viel Aufwand von Profis bewirtschaftet werden. Dies deutet auch unsere kleine Befragung an. Dort wurden das Namics-Blog sowie das Jobblog besonders positiv bewertet. Auch bei Basicthinking – ebenfalls ein Favorit unserer User – handelt es sich um ein quasi-professionelles Blog.
Bürgerjournalismus, ein schillernder Begriff, der auch im Jahr 2006 gerne und immer wieder bemüht wurde. Doch, wo genau sich im deutschsprachigen Raum etwas breit macht, was einen solch hochtrabenen Begriff rechtfertigte, bleibt vorerst unklar. Die Mittel allein, sich öffentlich Aufmerksamkeit zu verschaffen, führen nicht geradewegs zu so etwas wie Bürgerjournalismus.
Solide und kontinuierlich haben sich bereits erfolgreich etablierte Weblogs entwickelt. Das Weiterbildungsblog ist nach wie vor Klasse, das gilt auch für den Medienspiegel. Dem Dienstraum fehlt der alte Schwung. Geht es um Social-Web-Themen, so sind Netzlernen, Klaus Eck und Jan Schmidt – mit unterschiedlichen Perspektiven – gute Adressen.
Von Glossen, Kommentaren und Kolumnen getragen wird das Basicthinking, Robert Basic hat auch 2006 nichts an Dynamik eingebüsst. (Woher nimmt Robert nur die Energie?) Apropos Energie und Zeit: “… Ich frag mich echt, wo andere Leute, die tagsüber arbeiten, die Zeit zum Bloggen hernehmen, die Glücklichen”, fragt Stefan Mosel in seinem Plasticthinking. Auch bei Plasticthinking wurde, wenn der Eindruck nicht täuscht, gemächlicher gebloggt 2006. Und wenn wir gerade dabei sind: Das neue Sozialjournal-Team hat den nötigen Schwung für die Wiederbelebung des Blog-Klassikers nicht zustande gebracht. Wie es beim Sozialjournal weiter geht, ist wieder offen.
Aufgegeben haben 2006 die Pendlerblogger, welche die Gratis-”Zeitung” 20Min zu paraphrasieren versuchten. Fast aufgegeben hat Une fille du limmatquai… Die Blog-Instanz aus Zürich ist nun zurück und berichtet wieder aktiv von den Höhen und aus den Niederungen des Alltags.
Unter den Kampagnen-Bloggern ist und bleibt die Blogbar Favorit. Dort wird mit journalistischer Raffinesse recherchiert, polemisiert und operiert. Immerhin: Wichtige Fragen rund um StudiVZ wurden auf diese (Blog-)Art öffentlich.
In der Ostschweiz gibt es mittlerweile ebenfalls eine aktive Blogszene. Dani Fels, Martin Hofmann, Selina Ingold, Sara Bühlmann, Lokalheld und Reto Eugster: Das sind Namen, die einem hierzu einfallen, wobei die einzelnen Blog-Projekte teilweise von Teams bewirtschaftet werden. An der FHS St.Gallen ist 2006 das Fachhochblog in die Gänge gekommen, Martina Götsch und Sara Bühlmann sind Initiantinnen dieses Studierenden-Projektes. 2007 übrigens ist eine Tagung in der Ostschweiz zum Thema Social Web angekündigt (Initianten: Selina Ingold, Martin Hofmann, Reto Eugster). Ebenfalls für 2007 ist eine Neustrukturierung bei der Blogwerkstatt angesagt (dazu gehört zum Beispiel die Medienpraxis).
Bei den Blog-Tools hat sich 2006 der Trend hin zu WordPress als Quasi-Standard fortgesetzt. Mittlerweile ist auch WordPress Schweiz online, besonders aktiv aber ist WordPress Deutschland.
Uns hat das neue Projekt Blaublog 2006 speziell Spass gemacht. Gefreut haben wir uns über zahlreiche unerwartete Reaktionen, über die spontane Zusendung von Texten und Bildern.
Einige Stichworte zu “unserem” Blogjahr 2006. Bis bald, im neuen Jahr!
“Ich lehne die Auszeichnung offiziell ab”
Das US-Magazin Time wählt jeweils die Person des Jahres. Ein traditionsreiches Medienritual zum Jahreswechsel.
1938 war es Adolf Hilter. 2004 wurde George W. Bush geehrt, dann folgte im letzten Jahr Bill Gates. Auch Chomeini brachte es zu diesem Time-Erfolg (1979). Die Reihe der Geehrten ist schillernd – und mehr als das: Sie ist insgesamt fragwürdig. In diesem Jahr aber werden du und ich gewürdigt. Eine besonders originelle Idee hat sich das US-Magazin Time zum Jahresabschluss 2006 einfallen lassen. In diesem Jahr wird als “Person des Jahres” der Internet-User schlechthin gefeiert. Denn wir haben viel geleistet in diesem Jahr: So manchen ADSL-Ausfall überdauert (Schweiz), das Ensemble aller Beta-Versionen als Web 2.0 akzeptiert, bei Wikipedia Fronarbeit geleistet und unsere Blogs regelmässig gefüttert. Kurzum: Wir haben es verdient, Person des Jahres zu werden. Ob wir uns aber in diese Geehrtenreihe einfügen wollen? Ich für mich lehne die Auszeichnung hiermit offiziell ab.