Blau(rot)licht des Social Web?

Die WELT schreibt heute über Facebook: “Zwei von fünf Deutschen ist das soziale Netzwerk nicht geheuer. Das besagt eine neue Umfrage. Dennoch sind mehr als 90 Prozent der Schüler und Studenten angemeldet.”

Hier liegt vielleicht ein Missverständnis vor: Weil ihnen Facebook nicht ganz geheuer ist, sind sie angemeldet… Dieser Hauch von “schummrig” ist es doch gerade, der Facebook unverzichtbar macht. Man muss mindestens aus einem Grund dabei sein: Um sagen zu können, dass man eigentlich nicht dabei sein wollte ;-)

Wullfende Politiker, euphorisierende Kampagnen

“Social-Media-Manager, ein Trendberuf”, lese ich gerade. Na ja, angesichts der Aufgaben, die auf die Branche zukommen, verständlich: Wer sonst sollte den medial inszenierten Rückbau des Politischen – in Zeiten euphorisierender Social-Media-Kampagnen – besser forcieren können, als der Social-Media-Manager :-)

Also nicht nur ein Trendberuf, sondern auch eine Schlüsselaufgabe? “Wulffende” Politiker übrigens gibt es stets genug, sie scheinen eine feste Grösse zu sein. Was wirklich zu überraschen vermag: Dass dies noch zu überraschen vermag.

Siehe in diesem Zusammenhang den ZEIT-Artikel: http://bit.ly/xaVrnl

Simple Apps, fette Tools

Mein Eindruck bleibt konstant, auch nach einigen Diskussionen. Während sich die App-Philosophie – eine Aufgabe, ein Tool, eine Kernfunktion, kaum Optionalität – nicht nur bei Smartphones durchsetzt, sind Entwickler wieder daran, Tools verfetten zu lassen. MS Office 365, so meine unmassgebliche Einschätzung, wird über das beworben, was es mehr kann als die Mitbewerber. Und nicht primär über das, was es speziell gut leistet. Solche Anwendungen sind mit einer letztlich unfassbaren Vielzahl an Optionen versorgt. Dies trifft nicht nur und vermutlich nicht speziell auf das neue Microsoft-Produkt zu. Wird der Markt, angesichts des Erfolgs der App-Phiolosophie, solche Entwicklungen goutieren?

Und wieder verpasst die Schule ihre Chance?

Eine Polemik

Die Bereitschaft der profilierten Meinungsäusserung im Internet, das Bedürfnis, Information, Fotos, Videos usw. im Web zu teilen, die Hoffnung auf die Viralität “Sozialer Medien”, das Vertrauen, sich in Communities authentisch einzubringen: Wie kommt all dies zustande?

Ohne diese Wie-Frage zu beantworten, wird nicht verstehbar, weshalb User bereit sind, sich im Web zu exponieren. Und sie sind in beachtlichem Ausmass bereit, dies zu tun. Das zeigen die puren Fakten.

Erklärungen, welche dieses Phänomen verstehbar machen, sind mittlerweile in wissenschaftlich fortgeschrittenem Stadium. Zum Beispiel: Die Entwicklung des Selbstkonzeptes ist in hohem Masse auf die Erprobung der Vorstellungen über sich selbst angewiesen. Diese Erprobung findet in sozialen Zusammenhängen statt, im permanenten Vergleich mit der sozialen Umwelt. Ueberlegungen, die nicht neu sind, sondern auf Festingers Social Comparison Theory zurück gehen. Entstanden sind sie in den frühen Fünfziger Jahren.

“Soziale Medien” bieten ein bemerkenswert günstiges Umfeld für diese Erprobung. Denn in gewisser Weise bieten sie einen risikoarmen Raum. Zwar mag das rechtliche Prozessrisiko gesteigert sein (“Gefahren”) usw. Die soziale Riskanz jedoch ist geringer. Einzelne Aspekte des Selbstkonzeptes lassen sich spielerisch “ausprobieren”, das “Identitätsmanagement” lässt gerade in der sequenziellen Unverbindlichkeit des Netzes Spielraum für Selbstexperimente. Dadurch wird es möglich, sich selbst anders zu erfahren und die Grenzen der Selbstkontinuierung dehnbar zu halten.

Das permanente Ausrufen potenzieller Gefahren ist ungeeignet, “richtiges” Verhalten zu erreichen. Die Wucht des Social-Media-Trends ist zu gewaltig und zu nachhaltig, die Entwicklung zu weit fortgeschritten. Zahlreiche Sicherheitswarnungen waren schon gestern billig und sind heute nur noch ermattend. Obwohl sich die Unterscheidung Privatheit/Oeffentlichkeit lange Zeit zu bewähren schien, ist nun eine “dritte Zone” mitzudenken, die “öffentliche Privatheit”. Jugendliche lernen, übrigens eher im Web als in der Schule, sich an und in dieser “öffentlichen Privatheit” zu bewähren. Und sie erwerben Kompetenzen, auf welche Schulen höchstens schulische, jedoch keine pädagogischen Antworten finden. Der repetierte Ruf nach Prävention wirkt – angesichts der Blindheit gegenüber dem Phänomen der “neuen Exponiertheit” – wie ungehörte Marktschreierei zu Zeiten des Ausverkaufs.

Nichts verstanden

Die Rundschau des Schweizer Fernsehens widmet sich Facebook bzw. der Selbstdarstellung von Jugendlichen bei Facebook, ohne verstehen zu wollen (oder zu können?). Dass die Jugendlichen sich dabei fragwürdig im TV exponieren (müssen): kein Thema. Oder wurde dieser TV-Auftritt mit ihnen pädagogisch reflektiert? ;-)

Billiger Kulturpessimismus pädagogisch paraphrasiert, basierend auf altbewährten Klischees. Sensibilität für Fragen der Identitätsentwicklung, die in diesem Zusammenhang wichtig wäre, fehlt. Pädagogisch abgewogene Sätze mit diesem unverkennbaren Unterton werden durch die Sendeminuten geschoben: Alles mündet in die einzige Frage, welche eine solche Pädagogik imstande ist, zu stellen: “Darf man das?” (Schweizerdeutsch: “Tar ma da?”)

Fazit: “Die Ueberfülle der Antworten macht das Fragen überflüssig”, wie Christoph Schmitz-Scholemann u.a. in einem anderen Zusammenhang schreibt. Treffender ist nicht zusammenzufassen, was einem hier zugemutet wird.

Aneignung von virtuellem Raum

Die Fachzeitschrift des Verbandes Curaviva widmet die aktuelle Nummer (Januar) dem Themenschwerpunkt Soziotechnik. Zu Wort kommt auch die FHS St.Gallen, Reto Eugster (Blogautor medienpraxis.ch), in einem Interview. Susanne Wenger führt durch das Gespräch. Titel des Artikels: “Menschen im Alter können nicht mit moderner Technik umgehen? Ein Vorurteil!”

Im Gespräch wird deutlich, dass nach wie vor so etwas wie ein “digitaler Generationengraben” besteht. Zurzeit sind rund 96 Prozent der 14- bis 29-Jährigen online, bei den über 50-Jährigen sind es rund 40 Prozent. Bei der Generation “60plus” sinkt der Anteil schliesslich unter 30 Prozent. Während 80 Prozent der jüngeren Nutzer aktiv bei Webcommunities mittun, sind es lediglich rund 8 Prozent bei den ältern. Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Art der Internet-Nutzung. Video-Services beispielsweise sind nach wie vor im Fokus jüngerer Anwender. (Quelle: ARD/ZDF Onlinestudie 2009)

Viele Gründe sprechen dafür, dass das Internet gerade für ältere Menschen die Chancen gelingender Alltagsbewältigung verbessert. Eingeschränkte Mobilität, Vereinsamungstendenzen, erschwerter Informationszugang: Mittels Internet könnten solche Hemmnisse relativiert und Partizipationschancen verbessert werden. Dazu bedarf es allerdings eines Know-how-Transfers. Die älteren Menschen müssen dabei unterstützt werden, sich “virtuelle Räume” anzueigenen. Dieser Prozess ist zwar im Gange, er schreitet jedoch zögerlich voran. Die FHS St.Gallen versucht in der Moderationsrolle als Hochschule, diesen Prozess zu unterstützten.

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Ausschnitt aus dem Zeitschriftenausschnitt, Curaviva

Ich hasse E-Mails

Bereits im Oktober 2005 erstmals erschienen – und nun aktueller denn je. Vorsätze für 2010? Böte die Regel von Donald Knuth Stoff für einen Vorsatz?

E-Mail (oder Email): ein Ding von gestern. Wie strapaziös doch das tägliche Spam-Management ist! Nur unverbesserliche Optimisten sprechen noch von Spam-Filterung. Noch schlimmer sind all die zahllosen Absender, die immer noch nicht begriffen haben, dass eine solches Ding nicht mehr als 333 Zeichen stark sein soll. Hinzu kommen Unverbesserliche, die via E-Mail all das mitteilen, was sie sich im direkten Gespräch nicht trauen würden.

Donald Knuth, das Informatik-Genie, hat diese Art von Problemen hinter sich gelassen, und zwar bereits zu einer Zeit, als man sich selber E-Mails zuschickte, um sich an ankommenden Meldungen erwärmen zu können: 1990. Knuth lebt seither in vollkommener E-Mail-Freiheit. So kann das NZZ Folio über ihn schreiben: “… Tag für Tag freut er sich, dass er seit 1990 keine E-Mail-Adresse mehr hat – nicht ohne andere auf seiner Website zu mahnen, sich doch endlich den Bindestrich zu schenken und Email zu schreiben. Wie viel Lebens- und damit Arbeitszeit das sparte!” Die schlechte Nachricht für die meisten von uns: Nur Genies scheinen sich die E-Mail-Freiheit heute leisten zu können. [Hinweis via Namics Blog]

Lektion eins

Von Reto Eugster

Für eine interne Weiterbildung habe ich mit relativ knappen Worten und notizartig das zusammengefasst, was schon andere auf den Punkt gebracht haben. Ein Weblog, was ist das? Entstanden ist eine weitere Lektion eins.

Kunstwort

Bei “Weblog” handelt es sich um ein Kunstwort: “Web” steht für World Wide Web und “Log” für Logbuch. Heute gilt in Anlehnung an das Logbuch: das Weblog und nicht etwa der Weblog. Von “Weblog” abgeleitet ist in einem zweiten Wortschöpfungsakt der Begriff “Blog” entstanden. “Blog” und “Weblog” werden synonym verwendet.

Definition

Weblogs sind technisch gesehen einfache Content Management Systeme. Quasi-Standard ist heute die kostenlos erhältliche Software WordPress (Opensource). Wer kein eigenes Weblog-System installieren will, kann sich bei Weblog-Serviceanbietern wie twoday oder wordpress.com “einmieten” und in wenigen Minuten ein eigenes Weblog aufstarten.

Publizistisch gesehen werden in Weblogs notizartige, verweisungsintensive (Links), kommentierbare Kurzbeiträge (Micro Content) veröffentlicht. Weblogs werden besonders oft aktualisiert, in der Regel täglich, was sich auf das Suchmaschinen-Ranking positiv auswirkt.

Social Web

Weblogs dynamisieren das Internet und die Weblog-Bewegung ist weltweit zu einem bedeutenden Faktor geworden. Millionen von Weblogs sind inzwischen aufgeschaltet. Nun sind die Internet-User nicht länger auf die Konsumentenrolle fixiert, sie können sich einbringen, sie werden zu Editoren und Autoren. Weblogs spielen im Rahmen des Social Webs, einer community-orientierten Internet-Nutzung, eine wichtige Rolle.

Themenoffen

Weblogs können sich

- spezifischen Fachthemen widmen
- aus Projekten berichten
- Club/Vereins-Informationen enthalten
- politische Partizipation erleichtern
- für die Stadtteilkultur eine Rolle spielen
- Kunden-Communities bilden
- das Marketing eines Unternehmens beleben
- tagebuchartige Beiträge vereinen
- die interne Projektorganisation erleichtern
- oder für die Wissensorganisation genutzt werden usw.

Nebst Texten spielen Audio-Dateien und Videos in der Weblog-Szene eine wichtige Rolle.

Typisch für Weblogs ist:

1. Die Kurzbeiträge werden temporal und kategorial (Rubriken) geordnet. Temporal bedeutet hier: Der neueste Beitrag ist zuerst zu sehen, der älteste als letzter gelistet. Damit ist die Navigationshierarchie bei Weblogs flach.

2. Weblogs enthalten community-bildende Funktionen. Alle Beiträge sind kommentierbar und es gibt die Funktion des Trackbacks. Trackback bedeutet: Neue Artikel können im Kommentarfeld eines bestehenden Artikels automatisch verzeichnet werden. Dadurch entsteht ein Netz von Verweisungen.

3. Auch die Ping-Funktion gehört in diese Rubrik. Neue Artikel werden mittels Ping an Verzeichnissysteme gemeldet und dort gelistet. Technorati ist der bekannteste Blog-Verzeichnisdienst.

4. RSS steht für Really Simple Syndication. Es handelt sich dabei um ein Austauschformat. RSS bedeutet: Es kann ein Abonnement erstellt werden, mit dem Ziel, regelmässig Titel und Abstract von neuen Beiträgen aus einem Blogs zugestellt zu erhalten. Browser wie z. B. Firefox erhalten eine RSS-Funktion. Kostenlos kann auch der Feedreader genutzt werden.

5. Blogs enthalten so genannte Blogrolls. Blogrolls sind Verweisungen auf andere Weblogs, die dem Blogger besonders “am Herzen” liegen.

Weblog-Arten

Weblogs lassen sich nach Textart, Thema und Funktion unterscheiden:

Textart: Hier geht es um die Bestimmung der Textsorte. Beispielsweise können narrative Stile von wissenschaftlichen unterschieden werden. Auch bestimmte journalistische Genres können unter dieser Rubrik eine Rolle spielen.

Thematizität: Welche Themenformation wird mit einem Weblog bedient? Wie eng oder wie lose ist die Bindung an eine thematische Schwerpunktsetzung, an ein Themenprofil?

Funktion: Hier nun steht die Funktion des Weblogs im Vordergrund. Was will das Weblog (im engeren oder weiteren Sinn) bewirken: unterhalten, politisch mobilisieren, Partizipationschancen steigern usw.

Lehrer fühlen sich bedroht

Das Internet ist das Medium der Wahl für Schüler, welche die Lehrer öffentlich und anonym anzuschwärzen wollen. In Deutschland seien bereits 50000 Lehrer Opfer geworden, weiss die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft GEW zu berichten. Oft würden Schulen und Lehrer bei Bedrohungssituationen schweigen. Zu gross seien Angst und emotionale Belastsung. Negative Schlagzeilen sollen – oft um jeden Preis – vermieden werden. Glaubt man den Angaben der Gewerkschaft, so fällt auf, dass es sich bei den Tätern vor allem um männliche Jugendliche handelt.

Inwiefern bestehende strafrechtliche Mittel ausreichend sind, wird zurzeit in Fachkreisen diskutiert. Entscheidender ist vermutlich die Frage, ob pädagogische Settings entwickelt werden können, welche Kindern und Jugendlichen kontruktivere Möglichkeiten bieten, ihre Feedbacks in das Schulgeschehen einzubringen. In die Diskussion eingebracht sind zudem Vorschläge, wie gemeinsam mit Schülern ein klassenbezogener Verhaltenskodex ausgearbeitet werden kann, der neue Verbindlichkeiten im Umgang miteinander schafft.

Kamera verloren, Notebook weggeworfen

Will man Spiegel-Online glauben – und das wollen wir doch – beklagen sich User über ein Problem, das mit der  Miniatruisierung von Geräten zu tun hat. Nun kann es allzu leicht vorkommen, dass Notebooks verloren werden. Speicher-Sticks landen zwischen Autositzen, Handys bleiben im Zug liegen, Fotokameras verschwinden in Einkaufstüten, Speicherkarten zwischen Buchdeckeln usw. Hinzu kommt, dass man sich seiner Gerätschaft im Zuge einer häuslichen Aufräumaktion entledigen kann. In Spiegel Online ist zu lesen: ”Der legendäre IT-Reporter Steven Levy wirft das dünnste MacBook der Welt mit dem Altpapier weg und klagt: Es war einfach zu schlank!” Zum Artikel von Spiegel Online

Firma sperrt Facebook-Zugang

Die Credit Suisse CS hat – gemäss Angaben von 20Minuten (11.3.2008, Seite 15) – die Seiten der Netzwerkplattform Facebook für ihre Mitarbeiter gesperrt. Grund, wieder gemäss 20Minuten: Es sei zu viel Zeit für das “Netzwerken” mit Facebook verwendet worden.

Diffamierung via Internet

Im Internet ist der “gute Ruf” rasch verspielt. Diffamierende Artikel erzeugen via Suchmaschinen rasch einen Breiteneffekt. Dies ist vor allem deshalb oft fatal, weil das Internet ein “gutes Gedächtnis” hat. In Zwischenspeichern von Suchmaschinen lagern Artikel lange und sind auch dann noch auffindbar, wenn sie Schnee von gestern sind. Hinzu kommt, dass Artikel, die skandalisiert sind, rasch an verschiedenen Orten des Netzes auftauchen. Im Artikel “Virtuelle Diffamierung, realer Schaden”, erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung (22.7.2007), gehen Manfred Weise und Reto Eugster, Autor dieses Weblogs, auf die Problematik ein. Sie skizzieren eine erfolgversprechende Gegenmassnahme:

“Oft ist daher ein … Mittel erfolgversprechender: eine eigene Website aufschalten oder einen eigenen Blog führen. Wenn man dies geschickt macht, gelangt man mit selbstverantworteten Webseiten ganz oben auf die Trefferlisten der Suchmaschinen. Und das kann einem schon die gröbsten Peinlichkeiten ersparen, weil kaum ein Surfer sich für mehr als die ersten vier bis fünf Links zu einer Person interessiert.”

Heisst dies im Klartext: Bloggen, um sich eine eigene virtuelle Identität aufzubauen, zu pflegen und weiter zu entwickeln?