Kategorie-Archiv: Blogkritik

Arbeiten 2.0: Wirklichkeit der Creative Class?

Trends und Gegentrends. Die Computerwoche setzt sich in einem interessanten Artikel mit dem Arbeitsplatz der Zukunft (und der Gegenwart) auseinander. Viel Euphorie verbindet sich hier mit dem Begriff des Arbeitens 2.0. Inwieweit sich diese Arbeitsformen über die Creative Class hinaus entwickeln – oder besser: durchsetzen – werden, ist meines Erachtens eine andere Frage. Wie kommen Erkenntnisse aus der Wissenschaft, die hier (teilweise) zugrunde gelegt sind, verstärkt in die Unternehmen, und zwar über Strukturfragen oder Fragen der Prozessorganisation hinaus?

Zum Artikel der Computerwoche

Blog-Hobbyisten ziehen sich zurück

Während das Microblogging (z.B. via Buzz, Facebook oder Twitter) an Bedeutung gewinnt, verlieren die Blog- Hobbyisten offenbar die Freude am “klassischen” Bloggen. Ein Generationenwechsel findet statt, dies zeigt z.B. eine Studie der Blog-Suchmaschine Technorati. Die skizzierte Entwicklung ist seit langen Monaten im Gang, erstaunlich ist höchstens die Geschwindigkeit, mit der sie sich vollzieht.

Nebelbomben über Twitterland

Kommentar von Reto Eugster

Mediengezwitscher nach dem Mediengetwitter. Im Rahmen des Zertifikatslehrgangs Medienpädagogik wurde Stefan M. Seydel (/SMS bzw. sms2sms) eingeladen, an einem Mediengetwitter teilzunehmen. Bereits die Ankündigung seines Auftritts führte zu Diskussionen, war doch zuvor ein Artikel in der Wochenzeitung WOZ erschienen, der sich kritisch mit Seydels rebell.tv auseinandersetzte. Dadaismus, politische Chaostheorie, Selbstdarstellung, Medienwelt 2.0? Als was wohl könnte bezeichnet werden, was einem hier begegnet? An dieser einen Frage verdampft die Diskussion um rebell.tv seit Jahren. Dass die “Rebellen” aus dem “Kanton Säntis” diese Frage aufwendig und vor allem systematisch unbeantwortet lassen, vermag keine politische Aussage zu begründen, ist unergiebig im Hinblick auf künstlerische Inspiration und öffnet keinen Blick in eine neue Medienwelt. In der “Welt 1.0″ gibt es die Idee der Argumentation und den Anspruch, auf Kritik mit mehr zu reagieren als mit Nebelbomben. Der politische Diskurs ist auf die Bereitschaft zur Argumentation angewiesen und die Form des Diskurses ist Voraussetzung für die Demokratisierung von Gemeinwesen.

Und dann noch dies: Dass die Wochenzeitung den Soziologen Niklas Luhmann als linken Theoretiker bezeichnet, ist mindestens verwegen. (Habe ich das richtig gelesen?)

Elektrisierendes aus der Web-Welt

Inzwischen gibt es einiges, was unter schillernden Titeln wie “Internet-TV” oder “V-Blog” firmiert. Mario Sixtus vermag sich mit seinem Elektrischen Reporter, angeboten von der Verlagsgruppe Handelsblatt, in diesem breiten gut zu profilieren. Die Beiträge sind gut gemacht, was bei Sixtus nicht überrascht, und das Programm ist ausreichend geschärft:

“Der Elektrischer Reporter interviewt jede Woche einen Vordenker in Sachen Internet. Die Gesprächspartner können aus der Wirtschaft kommen oder aus der Wissenschaft; manchmal sind es einfach nur Nutzer bestimmter Plattformen.”

Das Interview mit Jimmy Wales beispielweise hat mich besonders interessiert.

Kirchenblogs

Die Evangelische Kirche der Schweiz ist mit Weblogs präsent. Fünf Blogs werden zurzeit unter ref.ch präsentiert. Für die Landeskirche bloggen:

Ueli Tobler, Kirchlicher Fachmann für Landwirtschaftsfragen
Ines Rivera, Theologin, engagiert in Aids- und Asylfragen
Ueli Greminger, Pfarrer am Zürcher St. Peter
Roman Angst, Bahnhofkirche Zürich
Matthias Bachmann, Reformierte Medien

Die Schwerpunkte der Blogs ergänzen sich. Alle sind (mehr oder weniger) aktuell und bieten Gehaltvolles. Wenig genutzt wird zurzeit noch die Kommentarfunktion.

Webauftritt der NZZ dialogischer

Seit heute bietet die Neuer Zürcher Zeitung einen neuen Internet-Auftritt. Ganz im Zeichen der Trends, ist die Site nun dialogorientiert ausgerichtet. Jeder Artikel kann kommentiert werden und das Blog NZZvotum ist prominenter eingebunden. Der Internet-Auftritt der renommiertesten Schweizer Zeitung ist eigenständiger und übersichtlicher geworden. Ein klarer Fortschritt. Trotzdem darf man sich fragen, weshalb es bei Verlagshäusern teilweise derart lange dauert, bis Entwicklungen nachvollzogen werden.

Ebenfalls neu ausgerichtet wurde in letzter Zeit der Webauftritt des Magazins (als Wiki). Natürlich sind die beiden Formate und Ausgangslagen nur bedingt vergleichbar. Trotzdem lohnt es sich, beide Ansätze genauer zu studieren.

Mit der Krankheit umgehen

Martin Geiger, Jahrgang 1968, ist Coach – und offensichtlich ein engagierter und erfolgreicher. Vor rund zwei Jahren wurde er mit der Diagnose MS konfrontiert. Die unheilbare Krankheit hat ihn nicht “gebrochen”. Er hat nach neuen Wegen gesucht, seine Kompetenzen weiter zu geben. Heute favorisiert er die Telefonberatung, das Telefon-Coaching. Und: Geiger führt seit rund zwei Monaten ein Weblog: MS als Chance.

Die Bahn blokt!

Der “allererste” Bahn-“Bloker der Schweiz” heisst Bruno Lämmli, wie nun via SBB, den Schweizerischen Bundesbahnen, zu erfahren ist. Lokomativführer Lämmli ist für die Web-Engagierten Bähnler kein Unbekannter. Er bietet unter www.lokifahrer.ch bereits seit Jahren gut aufbereitete Informationen für Bahninteressierte und “Loki-Verrückte” an. Das neue Event-Blog zur Messe transport logistic 2007 wird von der Bahn – von SBB Cargo – gesponsert. Cargo-Blog nennt sich das neue Angebot.

Wer nun denkt, in einem solchen Blog sei Brisanz kaum erzeugbar, der täuscht sich gewaltig. Spätestens bei folgender Textstelle freue ich mich über die Leichtfüssigkeit, mit der hier provoziert wird (am 4.6.2007):

“Wenn ein Flugzeug in der Luft ist, dann kann es relativ ungestört fliegen. Wenn einer unserer Züge den Bahnhof verlässt, dann fangen für uns die Herausforderungen erst an. Denn die Bahntransporte sind allen möglichen Unwägbarkeiten ausgesetzt: Dazu gehören Einwirkungen der Natur, wie Stürme und Gewitter, aber auch Weichenstörungen oder Unfälle.

Aha!

Da Flugzeuge über den Stürmen fliegen, Flugstrassen wenig beflogen und Flugunfälle inexistent sind, kann es so kompliziert wohl nicht sein, einige Tonnen am Himmel zu bewegen. Ist das nun wieder dieser altbewährte Bähnler-Humor?

Oder sind die Überlegungen des Bahn-“Blokers” am Ende doch nachvollziehbar: Wenn ich unterwegs bin, habe ich nicht selten das Gefühl, die Fliegerei sei technologisch gesehen eine simple Sache, jedenfalls im Vergleich zur Herausforderung, Züge in Gang zu setzen. Unter vernünftigem Kostenaufwand.

50 Tage ohne

Ein Beispiel für ein Kampagnen-Blog ist das Projekt von Martin Gebert. Er zelebriert in seinem Weblog den Weg in die “Rauchfreiheit” – und gerde erst gab es ein Jubiläum zu feiern: 50 Jahre ohne. Damit wir auch mitleiden können, wird täglich angezeigt, wie stark sein Verlangen nach dem Dunst der Dünste ist. Lernen wir auch etwas über eigene Entwöhnungsversuche? Im Prinzip ja.

Stellvertretend Berlin beobachtet

Wenn wir schon beim Grimme-Online-Award sind: Vom Konzept her hat mich WatchBerlin überzeugt. Eine spannende Art, sich mit einem Sozialraum, seinem Lebensraum, zu beschäftigen. Zugegeben, das aktuell aufgeschaltete Wort zum Samstag – es geht um nichts wengier als Hass - verstehe ich als Karikatur aller Worte zum Samstag und aller Worte zum Sonntag zugleich. Ein Genre, das einem ganz schön auf den Wecker gehen kann…