Blogjahr 2006

Unser höchst subjektiver Rückblick auf das Blogjahr 2006

In diesem Jahr kamen einige spannende Podcast-Blogprojekte ins Rollen, von einem berichteten wir vor kurzem, und zwar von Wanhoffs wunderbarer Welt. Zu nennen ist auch das Podcast im Bildungskontext. Im Gegensatz dazu konnten Videoblogs – bezogen auf den deutschsprachigen Raum – nur punktuell überzeugen. Wem es Video-Schnipsel angetan haben, der schaut sich direkt bei YouTube um – oder bei ähnlichen Angeboten.

In der Fachblogszene hat es unseres Erachtens eine Bewegung in Richtung “Professionalisierung” gegeben. Es scheinen sich Blogs durchzusetzen, die mit viel Aufwand von Profis bewirtschaftet werden. Dies deutet auch unsere kleine Befragung an. Dort wurden das Namics-Blog sowie das Jobblog besonders positiv bewertet. Auch bei Basicthinking – ebenfalls ein Favorit unserer User – handelt es sich um ein quasi-professionelles Blog.

Bürgerjournalismus, ein schillernder Begriff, der auch im Jahr 2006 gerne und immer wieder bemüht wurde. Doch, wo genau sich im deutschsprachigen Raum etwas breit macht, was einen solch hochtrabenen Begriff rechtfertigte, bleibt vorerst unklar. Die Mittel allein, sich öffentlich Aufmerksamkeit zu verschaffen, führen nicht geradewegs zu so etwas wie Bürgerjournalismus.

Solide und kontinuierlich haben sich bereits erfolgreich etablierte Weblogs entwickelt. Das Weiterbildungsblog ist nach wie vor Klasse, das gilt auch für den Medienspiegel. Dem Dienstraum fehlt der alte Schwung. Geht es um Social-Web-Themen, so sind Netzlernen, Klaus Eck und Jan Schmidt – mit unterschiedlichen Perspektiven – gute Adressen.
Von Glossen, Kommentaren und Kolumnen getragen wird das Basicthinking, Robert Basic hat auch 2006 nichts an Dynamik eingebüsst. (Woher nimmt Robert nur die Energie?) Apropos Energie und Zeit: “… Ich frag mich echt, wo andere Leute, die tagsüber arbeiten, die Zeit zum Bloggen hernehmen, die Glücklichen”, fragt Stefan Mosel in seinem Plasticthinking. Auch bei Plasticthinking wurde, wenn der Eindruck nicht täuscht, gemächlicher gebloggt 2006. Und wenn wir gerade dabei sind: Das neue Sozialjournal-Team hat den nötigen Schwung für die Wiederbelebung des Blog-Klassikers nicht zustande gebracht. Wie es beim Sozialjournal weiter geht, ist wieder offen.

Aufgegeben haben 2006 die Pendlerblogger, welche die Gratis-”Zeitung” 20Min zu paraphrasieren versuchten. Fast aufgegeben hat Une fille du limmatquai… Die Blog-Instanz aus Zürich ist nun zurück und berichtet wieder aktiv von den Höhen und aus den Niederungen des Alltags.

Unter den Kampagnen-Bloggern ist und bleibt die Blogbar Favorit. Dort wird mit journalistischer Raffinesse recherchiert, polemisiert und operiert. Immerhin: Wichtige Fragen rund um StudiVZ wurden auf diese (Blog-)Art öffentlich.

In der Ostschweiz gibt es mittlerweile ebenfalls eine aktive Blogszene. Dani Fels, Martin Hofmann, Selina Ingold, Sara Bühlmann, Lokalheld und Reto Eugster: Das sind Namen, die einem hierzu einfallen, wobei die einzelnen Blog-Projekte teilweise von Teams bewirtschaftet werden. An der FHS St.Gallen ist 2006 das Fachhochblog in die Gänge gekommen, Martina Götsch und Sara Bühlmann sind Initiantinnen dieses Studierenden-Projektes. 2007 übrigens ist eine Tagung in der Ostschweiz zum Thema Social Web angekündigt (Initianten: Selina Ingold, Martin Hofmann, Reto Eugster). Ebenfalls für 2007 ist eine Neustrukturierung bei der Blogwerkstatt angesagt (dazu gehört zum Beispiel die Medienpraxis).

Bei den Blog-Tools hat sich 2006 der Trend hin zu WordPress als Quasi-Standard fortgesetzt. Mittlerweile ist auch WordPress Schweiz online, besonders aktiv aber ist WordPress Deutschland.

Uns hat das neue Projekt Blaublog 2006 speziell Spass gemacht. Gefreut haben wir uns über zahlreiche unerwartete Reaktionen, über die spontane Zusendung von Texten und Bildern.

Einige Stichworte zu “unserem” Blogjahr 2006. Bis bald, im neuen Jahr!

Schlammschnecken, Robben und männliches Essverhalten

Der Blogtipp zum letzten Wochenende des Jahres 2006: Haben Schlammschnecken einen Einfluss auf die Wasserqualität? Wie wirkt sich das Regenwetter auf das Paarungsverhalten von Robben aus? Essen Männer mehr oder weniger in Anwesenheit hübscher Frauen?

Diesen Fragen geht Thomas Wanhoff in seinem Podcast-Blog “Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft” nach und berichtet dabei von neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen. Gut verständlich und amüsant erklärt Wanhoff, was die Wissenschaft bewegt und was neueste Erkenntnisse sind (oder zu sein scheinen). Ein originelles Konzept, eigenwillig und profiliert umgesetzt. Für mich schlicht und einfach ein sympathisches Projekt. Die Podcasts können übrigens auch via iTunes abonniert werden.

Zettelwirtschaft optimieren

Der bevorstehende Jahreswechsel ist Anlass für gute Vorsätze. Ein Vorhaben könnte sein, die persönliche Zettelwirtschaft zu verbessern. Verschiedene Prorgramme bieten Unterstützung, beispielsweise Cuecards und Scribble Papers. Scribble Papers ist Freeware, Cuecards für wenig Geld zu haben. Beide Tools leisten gute Dienste und beide Tools werden kontinuierlich weiter entwickelt. Vom Funktionenmix und -umfang her ist mir Scribble Papers sympathischer. Aufgeräumter wirkt die Benutzeroberfläche von Cuecards. Cuecards kann in der neuesten Programmgeneration die Datenbanken auch auf MS-SQL-Servern speichern. Es lohnt sich, beide Programm im Hinblick auf die konkrete Aufgabenstellung zu testen.

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Internet als städtische Grundversorgung

In der Stadt St. Gallen soll das Internet bald zur Grundversorgung gehören. Und mehr als das. Die Stadt plant, ab nächsten März im gesamten Stadtgebiet den drahtlosen Internet-Zugang kostenlos zur Verfügung zu stellen. Am Projekt aktiv beteiligt sind die Studentenschaft der Universität St. Gallen, die Technische Hochschule Rapperswil sowie Openwireless.ch. Damit gelingt es der Stadt, mit einer positiven Schlagzeile die vorweihnächtlichen News-Welt zu dominieren.

Fachblog 2006

Medienpraxis-User können ihr Fachblog 2006 wählen. Die Ergebnisse dieser kleinen Umfage werden in den “Blogjahresbericht 2006″ der Medienpraxis integriert, der nächste Woche erscheint. Die Autorinnen und Autoren der Medienpraxis haben 12 Blogs nominiert. Wie gesagt: Es geht um “Fachblogs”, um Internet-Journale also, die sich einem Themenbereich unter einer fachlichen Perspektive zuwenden. Die eigenen Blogs der Medienpraxis sind ausgeschlossen. Dies trifft insbesondere auf das Sozialjournal zu. Die Umfrage läuft bis 30.12.2006. Siehe auch Blogjahresbericht… (Abstimmung in der rechten Menu-Spalte)

“Blogjahresbericht 2006″

In der nächsten Woche werden wir, die Medienpraxis, einen unvermeidlich einseitigen und subjektiv gefärbten “Jahresbericht” zu Blogentwicklungen 2006, eine Art Jahresbilanz aus unserer Sicht, vorlegen. Zurzeit sind die Autorinnen und Autoren der Medienpraxis eingeladen, ein Fachblog zu wählen, welches sie für (besonders) bemerkenswert halten. In der Menu-Spalte können sich auch Leserinnen und Leser einklinken und ihr Fachblog 2006 wählen. Alle nominierten Blogs sind über die Blogroll aufrufbar. Nominiert wurden die Fachblogs durch die Autorinnen und Autoren der Medienpraxis. Eigene Weblog (Sozialjournal, Ostschweizblog, Blaublog usw.) wurden nicht berücksichtigt. Ist es nötig zu betonen, dass dieses kleines Jahresabschlussritual spielerischen Charakter haben soll? Wer dies tierisch ernst nimmt, hat verloren.

Firefox-Update

Von Firefox, dem Open-Source-Browser, gibt es eine neue Version 2.0.0.1. Es handelt sich um das erste Update in der zweier Serie. Damit ist die Software Vista-tauglich geworden und die übliche Fehlerkorrektur nimmt damit ihren Lauf.

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“Ich lehne die Auszeichnung offiziell ab”

Das US-Magazin Time wählt jeweils die Person des Jahres. Ein traditionsreiches Medienritual zum Jahreswechsel.

1938 war es Adolf Hilter. 2004 wurde George W. Bush geehrt, dann folgte im letzten Jahr Bill Gates. Auch Chomeini brachte es zu diesem Time-Erfolg (1979). Die Reihe der Geehrten ist schillernd – und mehr als das: Sie ist insgesamt fragwürdig. In diesem Jahr aber werden du und ich gewürdigt. Eine besonders originelle Idee hat sich das US-Magazin Time zum Jahresabschluss 2006 einfallen lassen. In diesem Jahr wird als “Person des Jahres” der Internet-User schlechthin gefeiert. Denn wir haben viel geleistet in diesem Jahr: So manchen ADSL-Ausfall überdauert (Schweiz), das Ensemble aller Beta-Versionen als Web 2.0 akzeptiert, bei Wikipedia Fronarbeit geleistet und unsere Blogs regelmässig gefüttert. Kurzum: Wir haben es verdient, Person des Jahres zu werden. Ob wir uns aber in diese Geehrtenreihe einfügen wollen? Ich für mich lehne die Auszeichnung hiermit offiziell ab.

Zwei Gratiszeitungen aus einem Haus

Die Tamedia AG teilt mit, der Tages-Anzeiger (Auflage 225000 ohne Gratiszustellung) werde im kommenden Jahr einmal wöchentlich (Dienstag) in einer Auflage von 395000 Exemplaren an alle Haushaltungen der Regionen Zürichsee, Zürcher Oberland und Zürcher Unterland verteilt. Zwei Gratiszeitungen aus “einer Hand”? 20Minuten kommen bereits aus dem selben Haus und vielleicht gibt es in diesen Regionen frühmorgens ein Zeitungspaket mit allem, was der Markt an Gratiszeitungen her gibt. Oder der Tagi wird direkt in 20Minuten eingebaut?

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Der Bart des Bloggers

Das Problem, ständig mit wenig abgesicherten oder kaum methodentransparenten Ergebnissen irgendwelcher Studien konfrontiert zu werden, ist nicht neu, vor allem nicht in der Blogszene. Jan Schmidt, Soziologe und Blogger, kommentiert eine Studie von friendscout24 (erstellt von Konzept & Analyse), die zu interessanten Ergebnissen kommt, bei der jedoch auf der Basis des Pressetextes nicht hinreichend klar ist, wie diese Ergebnisse zustande gekommen sind. Immerhin kommt die Studie gemäss Pressetext zum Schluss,

“der erwachsene Prototyp-Blogger ist männlich und trägt Dreitagebart”.

Fürs Erste ist anzunehmen, dass nicht die Studie selbst das Problem ist, sondern der Presseaushang, der allzu zuspitzend formuliert ist und die Methodik weitgehend ausblendet lässt. Jan Schmidt bringt methodenkritische Aspekte in seinem Weblog auf den Punkt, zum Beispiel:

“Die Zahl von 13.000 Befragten klingt ja auf den ersten Blick sehr gut, denn viele Befragte = hohe Repräsentativität, right? Nein, leider nicht… Stichproben können nur dann repräsentative Ergebnisse liefern, wenn jede Person aus der Grundgesamtheit die gleiche Chance hatte, in die Stichprobe zu gelangen.”